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Produktrecherche: Nachfrage und Konkurrenz wirklich messen

Lektion 5/12 ⏱ ~12 Min. Von Enes Kurt Stand August 2026
Das nimmst du mit

Jetzt bekommen deine 20–30 Kandidaten aus Lektion 4 Zahlen. Drei Fragen entscheiden über jede Nische: Wie viele suchen danach? (Nachfrage) — Wer bedient sie wie stark? (Konkurrenz) — Was bleibt pro Stück hängen? (Marge, das klären wir in Lektion 7). Diese Lektion beantwortet die ersten beiden.

1Nachfrage: Suchvolumen verstehen

Auf Amazon beginnt fast jeder Kauf mit einer Suche. Das monatliche Suchvolumen der Nische (alle relevanten Suchbegriffe zusammen) ist deshalb die ehrlichste Nachfrage-Währung. So kommst du an die Zahlen:

  • Amazon-Suchvorschläge (gratis): Tippe deinen Begriff in die Amazon-Suche. Die Vorschläge sind echte, nach Häufigkeit sortierte Suchanfragen — sie zeigen dir, WAS gesucht wird, aber nicht wie oft.
  • Recherche-Tools (bezahlt): Werkzeuge wie Helium 10 oder Jungle Scout schätzen Volumen pro Suchbegriff. Gut fürs Massen-Screening — aber es sind Schätzungen, keine Messungen.
  • Amazon Brand Analytics (gratis, aber erst mit Brand Registry): echte Rang-Daten von Amazon selbst — für später, wenn deine Marke registriert ist.

Damit du ein Gefühl für Größenordnungen bekommst, hier echte, gemessene Nischen-Volumina von amazon.de aus unserer monatlichen Markterhebung (gerundet):

NischeAmazon-Suchen / Monat (amazon.de)Größenklasse
powerbank≈ 644.000sehr groß — harter Wettbewerb
teppich≈ 388.000sehr groß — harter Wettbewerb
wasserkocher≈ 237.000sehr groß — harter Wettbewerb
hanteln≈ 155.000groß
katzenspielzeug≈ 119.000groß
textmarker≈ 108.000groß
regenschirm≈ 63.000groß
untersetzer≈ 49.000mittel — oft der Sweet Spot
locher≈ 37.000mittel — oft der Sweet Spot
augencreme≈ 18.000mittel — oft der Sweet Spot
kofferraumtasche≈ 8.000klein / Nische
aufbewahrungsdosen≈ 3.000klein / Nische

Gemessene Amazon-Suchimpressionen, gerundet — Datenstand 08/2026, monatlich erneuert. Die vollen Daten (inkl. Keyword-Ebene) stecken in der Sichtbarkeits-Prognose von Listimo.

So liest du das:

  • Sehr große Nischen (200.000+): Riesige Nachfrage, aber die PPC-Klickpreise und die Bewertungs-Burgen der Platzhirsche machen den Einstieg teuer. Nichts für Produkt Nr. 1.
  • Mittlere Nischen (15.000–60.000): Der Einsteiger-Sweet-Spot — genug Nachfrage für 10–20 Verkäufe am Tag, aber oft noch Anbieter mit schwachen Listings.
  • Kleine Nischen (unter ~10.000): Machbar mit sehr guter Marge, aber wenig Luft nach oben. Gut als Ergänzungsprodukt, riskant als einziges Standbein.
Beispiel

Nischen-Volumen fürs AURELO Gewürzmühlen-Set (unser Beispielprodukt): „gewürzmühle“ liegt bei rund 10.000 Suchen im Monat, „pfeffermühle elektrisch“ bei 6.000, „salz und pfeffer mühle set“ bei 5.000, kleinere Varianten zusammen bei 4.000 — Nischen-Volumen also rund 25.000. Eine mittlere Nische mitten im Einsteiger-Sweet-Spot. Zähle immer die Summe der relevanten Begriffe, nicht nur den Hauptbegriff — sonst unterschätzt du fast jede Nische.

2Verkäufe schätzen: der Bestseller-Rang (BSR)

Jedes Produkt hat in seiner Hauptkategorie einen Bestseller-Rang — je niedriger, desto mehr Verkäufe. Der BSR ist kein Absolut-Messwert, aber ein brauchbarer Vergleichswert innerhalb einer Kategorie. Praktischer Einsatz:

  • Öffne die Top 10 Suchergebnisse deiner Nische und notiere die BSRs (stehen in den Produktinformationen).
  • Tools übersetzen BSR in geschätzte Monatsverkäufe. Ohne Tool hilft die Relation: Ein Produkt auf Rang 2.000 in „Küche & Haushalt“ verkauft VIELE Stück am Tag, eines auf Rang 150.000 wenige pro Woche.
  • Entscheidend ist die Verteilung: Machen die Top 3 fast den ganzen Umsatz (Winner-takes-all) — oder verteilt er sich auf 10–15 Produkte? Verteilte Nischen sind einsteigerfreundlicher: Du musst nicht Platz 1 werden, um mitzuverdienen.
Einfach gesagt

Der Bestseller-Rang funktioniert wie die Musik-Charts: Platz 5 verkauft mehr als Platz 50 — aber die Chartposition allein verrät nicht, wie viele Alben das sind. Und Platz 10 in den riesigen Album-Charts bedeutet weit mehr Verkäufe als Platz 10 in einer kleinen Spartenliste. Genauso beim BSR: nur innerhalb derselben Kategorie vergleichen, nie über Kategorien hinweg.

3Konkurrenz: Bewertungen und Listing-Qualität lesen

Nachfrage nützt nichts, wenn die Konkurrenz uneinnehmbar ist. Zwei Blicke genügen für eine ehrliche Einschätzung:

Bewertungszahlen der Top 10

  • Im Schnitt unter ~300 Bewertungen: gut machbar — mit einem besseren Produkt und sauberem Launch kannst du hier in Monaten mitspielen.
  • Mehrere Produkte mit 2.000+ Bewertungen: Die Kunden haben etablierte Standardwahlen. Nicht unmöglich, aber dein Launch wird teuer und langsam.
  • Ein Mix (zwei Riesen, dahinter viele Kleine mit 50–300): oft ideal — die Riesen beweisen die Nachfrage, die Kleinen zeigen, dass Neue reinkommen.

Listing-Qualität

Klick dich durch die Top 10 und bewerte kaltblütig: Hauptbilder professionell? Bilder 2–7 vorhanden und aussagekräftig? Titel strukturiert oder Keyword-Müll? A+ Content? Wenn du bei mehreren Top-Sellern schwache Listings siehst, ist das deine Lücke: Gleiches Produkt, besser präsentiert, schlägt bessere Produkte mit schlechter Präsentation. (Wie du diese Lücke später füllst, ist der komplette Listing-Track — und genau die Arbeit, die Listimo automatisiert.)

4Der 15-Minuten-Check pro Kandidat
  • Minute 1–3: Hauptsuchbegriff + 3 Varianten in die Amazon-Suche, Vorschläge notieren. Nische benennen.
  • Minute 4–7: Top 10 öffnen: Preise (passt mein 15–40-€-Band?), BSRs, Bewertungszahlen in die Tabelle.
  • Minute 8–11: Listing-Qualität benoten (1–5), auffällige Schwächen notieren.
  • Minute 12–15: Grobe Marge überschlagen: Alibaba-Preis für vergleichbares Produkt suchen, Faustregel: Einkauf unter 25–30 % vom Netto-Verkaufspreis. Details in Lektion 7.

Bewerte jeden Kandidaten mit Ampel (grün/gelb/rot) in den drei Spalten Nachfrage, Konkurrenz, Marge. Nur Kandidaten mit mindestens zweimal Grün und keinmal Rot kommen auf die Shortlist — mit der gehst du in Lektion 6 in die Tiefe.

Beispiel

So sieht der fertige Check fürs AURELO Gewürzmühlen-Set aus: Nachfrage rund 25.000 Suchen im Monat — grün. Konkurrenz: Top 10 im Schnitt 260 Bewertungen, zwei Platzhirsche über 2.000, drei Listings mit erkennbar schwachen Bildern — grün. Marge: vergleichbare Sets ab 4,50 € auf Alibaba bei 24,99 € Verkaufspreis — rund 21 % vom Netto-Verkaufspreis (21,00 €), sicher unter der 25–30-%-Faustregel — grün. Dreimal Grün: klarer Shortlist-Kandidat.

Tool-Zahlen sind Schätzungen

Alle Recherche-Tools schätzen Suchvolumen und Verkäufe aus Ranking-Bewegungen — die Werte können je nach Tool um 30–50 % auseinanderliegen. Nutze sie zum VERGLEICHEN von Nischen, nicht als exakte Businessplan-Zahlen. Und triff nie eine Bestell-Entscheidung auf Basis eines einzelnen Monats: Prüfe, ob die Nachfrage über 12 Monate stabil ist (Saisonkurven!).

Häufigster Fehler

Analyse-Paralyse: Wochen in Tools versenken, 14 Kennzahlen vergleichen, nie entscheiden. Die Wahrheit: Ab einem soliden Datencheck bringt mehr Analyse kaum bessere Entscheidungen — Muster, Kalkulation und Validierung (Lektion 6–8) bringen sie. Setz dir ein Limit: maximal zwei Wochen von Kandidatenliste bis Shortlist.

Checkliste: Recherche-Durchgang
  • Jeder Kandidat hat einen 15-Minuten-Datencheck bekommen.
  • Nischen-Volumen grob eingeordnet (klein / mittel / groß).
  • BSRs und Bewertungszahlen der Top 10 notiert.
  • Umsatzverteilung geprüft: Winner-takes-all oder verteilt?
  • Listing-Qualität benotet, Schwächen der Konkurrenz notiert.
  • Ampel-Bewertung gesetzt, Shortlist mit 3–5 Nischen steht.
  • Saisonalität über 12 Monate gegengeprüft.
5Experten-Wissen: BSR-Mechanik, Varianten-Fallen und Umsatz-Konzentration

Wer Nischen nur nach Tages-BSR und roher Bewertungszahl vergleicht, macht drei systematische Fehler. Hier ist die Mechanik dahinter — und wie du sie für schärfere Entscheidungen nutzt.

1. Der BSR ist zeitgewichtet. Amazon berechnet den Rang mehrmals täglich neu und gewichtet die jüngsten Verkäufe am stärksten. Ein einziger Deal-Tag katapultiert ein Produkt darum tagelang nach oben, eine Out-of-Stock-Phase lässt es abstürzen — beides sagt nichts über die normale Verkaufsrate. Konsequenz: Nie einen einzelnen Abruf werten, sondern mehrere Stichproben über 2–3 Wochen (oder die BSR-Historie eines Tools) und davon den Median nehmen, nicht den Durchschnitt — der Median ist gegen Deal-Ausreißer immun.

2. Bewertungen gehören der Variantenfamilie, nicht dem Produkt. Die 2.000+ Bewertungen eines Platzhirschs können sich über zehn Farb- und Größenvarianten summieren — oder aus einer Zeit stammen, in der unter derselben ASIN ein ganz anderes Produkt verkauft wurde (zusammengelegte Listings sind eine beliebte Grauzonen-Taktik). Der Check kostet zwei Minuten: Sortiere die Rezensionen nach den ältesten. Beschreiben sie ein anderes Produkt, ist die Bewertungs-Burg geliehen — und der Anbieter schwächer, als er aussieht.

3. Konzentration messen statt schätzen. „Winner-takes-all oder verteilt?“ lässt sich in eine Zahl fassen: der Anteil der Top 3 an den geschätzten Verkäufen der Top 10 (CR3).

Beispiel

Nische A, geschätzte Monatsverkäufe der Top 10: 900, 750, 600, 400, 350, 300, 250, 200, 150, 100 — zusammen 4.000 Stück. CR3 = 2.250 / 4.000 = 56 %. Nische B: 3.000, 650, 350, dahinter sieben Produkte mit zusammen 800 — gesamt 4.800, CR3 = 83 %. Beide Nischen können identisches Suchvolumen haben; nur in A verdient auch Platz 6 noch Geld. Faustregel (Erfahrungswert): unter ~60 % einsteigerfreundlich verteilt, über ~75 % Winner-takes-all — dort startest du nur mit einem außergewöhnlich starken Differenzierungs-Hebel.

Gegenprobe ohne Tool

Bewertungs-Geschwindigkeit als zweite Meinung: Zähle die Rezensionen der letzten drei Monate (nach Datum filtern) und rechne je Bewertung grob 20–40 Verkäufe (Erfahrungswert für organische Bewertungsraten). Ein Konkurrent mit 12 neuen Rezensionen in drei Monaten liegt also bei etwa 80–160 Verkäufen im Monat. Weicht die Tool-Schätzung um mehr als das Dreifache davon ab, traue keiner der beiden Zahlen — prüfe auf Vine-Schübe, Deals oder frisch zusammengelegte Varianten.

Diese drei Prüfungen kosten je Nische eine Viertelstunde extra — und verhindern die zwei teuersten Recherche-Irrtümer: eine Bewertungs-Burg zu fürchten, die in Wahrheit geliehen ist, und in eine Nische einzusteigen, deren Umsatz zu 80 % an einem einzigen unangreifbaren Listing hängt.

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  • 2Verkäufe schätzen: der Bestseller-Rang (BSR)
  • 3Konkurrenz: Bewertungen und Listing-Qualität lesen
  • 4Der 15-Minuten-Check pro Kandidat
  • 5Experten-Wissen: BSR-Mechanik, Varianten-Fallen und Umsatz-Konzentration
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Welche Nischengröße ist der Einsteiger-Sweet-Spot?
Mittlere Nischen haben genug Nachfrage für ein echtes Geschäft, aber noch keine uneinnehmbaren PPC-Preise und Bewertungs-Burgen wie die Riesen-Nischen.
Was sagt der Bestseller-Rang (BSR) aus?
Der BSR ist ein Vergleichswert, kein Messwert. Er taugt, um Produkte derselben Kategorie zu vergleichen und Verkäufe grob zu schätzen.
Die Top 10 einer Nische haben im Schnitt 150 Bewertungen, zwei Anbieter über 2.000. Wie liest du das?
Der Mix aus wenigen Etablierten und vielen kleineren Anbietern ist ein gutes Zeichen: bewiesene Nachfrage plus offene Tür für gute Neueinsteiger.
Warum sind Tool-Suchvolumen mit Vorsicht zu genießen?
Tools rekonstruieren Volumen aus indirekten Signalen. Für Nischen-VERGLEICHE reicht das völlig; als exakte Businessplan-Grundlage nicht.
Was ist die stärkste Einstiegs-Lücke, die du bei der Konkurrenz-Analyse finden kannst?
Verkauft sich ein Produkt TROTZ schwacher Präsentation, ist die Nachfrage stark — und mit besserem Listing (Bilder, Texte, A+) kannst du dir davon ein Stück holen.
Wie lange sollte der Weg von der Kandidatenliste zur Shortlist maximal dauern?
Nach solidem Datencheck verbessert mehr Analyse die Entscheidung kaum noch. Perfekte Nischen gibt es nicht — gute Validierung und Kalkulation schlagen endloses Vergleichen.

Häufige Fragen zu dieser Lektion

Brauche ich zwingend ein bezahltes Recherche-Tool?

Fürs erste Produkt nicht zwingend: Amazon-Suchvorschläge, BSR-Vergleiche und Bewertungszahlen bekommst du gratis. Ein Tool beschleunigt das Massen-Screening deutlich — viele nutzen dafür einen einzelnen Monat im Abo, erledigen die Recherche konzentriert und kündigen wieder.

Wie zuverlässig sind BSR-basierte Verkaufsschätzungen?

Als Größenordnung brauchbar, als exakte Zahl nicht: Der BSR schwankt täglich und bildet Sondereffekte (Deals, Saison) verzerrt ab. Nutze Schätzungen zum Vergleichen von Produkten derselben Kategorie und prüfe immer den 30-Tage-Trend statt eines Tageswerts.

Was, wenn meine Nische in keiner Datenquelle auftaucht?

Sehr kleine oder sehr neue Nischen fliegen unter dem Radar der Tools. Dann zählen die Gratis-Signale: Gibt es Suchvorschläge? Verkaufen die Top-Produkte erkennbar (BSR, Bewertungszuwachs)? Ohne jedes Nachfrage-Signal ist Vorsicht angesagt — du willst bestehende Nachfrage bedienen, keine erfinden.

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Enes Kurt
Verkauft seit über zehn Jahren selbst auf Amazon · Gründer von Listimo

Alles in dieser Academy kommt aus der täglichen Verkaufspraxis — demselben Erfahrungsschatz, aus dem Listimo entstanden ist: das Tool, das aus Produktfotos komplette Amazon-Listings macht.